Die Geschichte des Karma Cakes

Warum es sich lohnt, dass wir mehr aufeinander schauen

Wer schon mal allein gelebt hat weiß, wie blöd Kranksein ist. Es ist niemand da, der Suppe macht, einkaufen geht oder dir tröstende Worte spendet. Ich kenne diese Situation und weiß, wie dankbar man in dieser misslichen Lage für Menschen ist, die für einen da sind. Für mich war es daher vor ein paar Wochen selbstverständlich, eine Freundin mit hausgemachter Hühnersuppe und Apfelkompott zu versorgen. Es sind zwei Stunden meines Lebens, die ich in die Gesundheit einer Freundin investiere. Über eine darauffolgende ausgesprochene Einladung zum Essen als kleines Dankeschön freute ich mich natürlich sehr, auch wenn es nicht notwendig gewesen wäre.

2 Wochen später...

Zwei Wochen später hatte ein Freund von mir Geburtstag. Leider war es ein sehr trauriger Tag, da kurz zuvor seine Mama unerwartet gestorben war. Um ihn ein bisschen abzulenken und aufzumuntern, veranstalteten wir ein kleines Essen. Eigentlich sind ja Mütter traditionell die Geburtstagskuchenbeauftragten, aber nachdem sie dieser Aufgabe nicht mehr nachkommen konnte, entschied ich mich dafür, meinen legendären Smarties-Schokoguss-Kuchen für ihn zu backen. Am Tag des Dinners musste ich geschäftlich nach Wien.

Vor meiner Abreise kaufte ich noch alles ein, um mich nach meiner Rückkehr gleich ans Backen machen zu können, damit der Kuchen abends rechtzeitig fertig wäre. Nette Vorstellung! Natürlich dauerten meine Termine viel länger und ich konnte schon froh sein, es zumindest halbwegs pünktlich zum Essen zu schaffen. Es machte mich sehr unglücklich, dass sich mein Kuchenvorhaben in Brösel auflöste, denn ich wollte ihm an solch einem Tag der gemischten Gefühle unbedingt diese kleine Freude machen.

Ich rief kurzerhand meine anfangs erwähnte Freundin an und fragte sie, ob ich die Einladung zum Essen auch gegen einen Gugelhupf eintauschen könnte. Drei Stunden später schickte sie mir bereits ein Foto des ofenfrischen Kuchens. Auf dem Heimweg vom Bahnhof holte ich ihn ab und ein anderer Essensgast deponierte für mich Smarties und Kerzen vor der Wohnungstür. Und so stand ich dann doch mit einem fast perfekten Geburtstagskuchen vor meinem Freund.

In der Runde erzählte ich die Geschichte des Kuchens und er bekam den Namen Karma Cake. Aus der Hühnersuppe gegen die Grippe wurde ein Geburtstagskuchen gegen die Traurigkeit. Für mich ist die Geschichte des Karma Cake der Beweis dafür, dass Gutes noch mehr Gutes bringt und es sich definitiv lohnt für einander da zu sein.

Alles Liebe
Verena von wholehearted